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Schleichende Brandgefahr in der Hauptverteilung: Warum Sicherungen oft nicht auslösen

  • Autorenbild: Kubilay Baris
    Kubilay Baris
  • 3. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Elektrobrände entstehen selten mit einem lauten Knall. In den meisten Fällen kündigen sie sich über Wochen oder Monate schleichend und völlig unbemerkt an. Eine der unterschätztesten Schwachstellen in Geschäfts- und Wohngebäuden ist die elektrische Hauptverteilung. Wenn Komponenten unter hoher Last stehen, drohen thermische Überlastungen, die ohne spezialisierte Messverfahren unsichtbar bleiben.


Das tückische Risiko: Wenn der Strom ungestört weiterfliesst


Bei klassischen Kurzschlüssen oder extremen Überlastungen löst das Schutzorgan (die Sicherung oder der Leitungsschutzschalter) zuverlässig aus und trennt den Stromkreis. Doch bei schleichenden Kontaktproblemen versagt dieser Schutzmechanismus.


Typische Ursachen für lokalisierte Erwärmungen sind:

  • Schlechte Kontaktstellen: Durch thermische Ausdehnung, Materialermüdung oder Erschütterungen lockern sich Schraubverbindungen mit der Zeit.

  • Punktuelle Überlastung: Einzelne Bauteile oder Phasenklemmen werden über die vorgesehene Belastungsgrenze hinaus beansprucht.

  • Erhöhter Übergangswiderstand: An gelockerten Stellen steigt der elektrische Widerstand. Nach dem Ohmschen Gesetz wandelt sich die elektrische Energie an dieser Engstelle direkt in Wärme um.

Das Grundproblem: Der Gesamtstromfluss liegt oft noch unter dem Auslösewert der Sicherung. Der Strom fliesst ungehindert weiter, während an der fehlerhaften Kontaktstelle extrem hohe Temperaturen entstehen – oft weit über 100 °C bis hin zur Rotglut.


Warum wir bei jeder Elektrokontrolle eine Thermografie durchführen


Um diese verdeckten Gefahrenquellen aufzuspüren, reicht eine rein visuelle Sichtprüfung oder eine standardmässige Isolationsmessung nicht aus. Deshalb setzen wir bei unseren Elektrokontrollen konsequent auf die bildgebende Thermografie mittels hochauflösender Wärmebildkamera.

Der grosse Vorteil der Thermografie liegt in der unterbrechungsfreien Prüfung: Schwachstellen und sogenannte Hotspots werden innerhalb weniger Sekunden sichtbar gemacht, ohne dass Schalter demontiert oder Anlagen stillgelegt werden müssen. Dadurch verhindern wir gezielt Stromausfälle, Kabelbrände und kostspielige Folgeschäden an der Gebäudetechnik.


Worauf man im Alltag achten kann: 3 Warnzeichen


Auch zwischen den gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollintervallen sollten Gebäudeverantwortliche aufmerksam sein. Folgende Indikatoren deuten auf kritische thermische Zustände hin:


1. Typischer Geruch (Fisch- oder Chemiegeruch)

Wenn Isolationsmaterialien wie PVC oder spezielle Kunststoffe überhitzen und schmelzen, setzen sie charakteristische chemische Dämpfe frei. Ein merkwürdiger, stechender Geruch im Technikraum ist ein Alarmsignal.

2. Sichtbare Verfärbungen

Nachgedunkelte, bräunliche oder verbrannte Kabelenden, verfärbte Klemmengehäuse und verformte Plastikabdeckungen zeigen klar, dass unzulässige Temperaturen geherrscht haben.

3. Thermografie unter voller Betriebslast

Ein Wärmebild ist nur dann aussagekräftig, wenn die Elektroanlage während der Messung auch unter voller Betriebslast läuft. Erst wenn Strom in nennenswerter Höhe fliesst, treten die Übergangswiderstände thermisch in Erscheinung.


Wichtiges Sicherheitsverhalten: Falls Sie ungewöhnliche Gerüche, Verfärbungen oder ungewöhnliche Wärmeentwicklung im Verteilkasten feststellen: Fassen Sie die Anlage unter keinen Umständen selbst an! Es besteht unmittelbare Stromschlag- und Verbrennungsgefahr. Informieren Sie umgehend einen zertifizierten Elektroinstallations- oder Kontrollbetrieb.


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